EINE FAST FRIEDLICHE WELT - UN MONDE PRESQUE PAISIBLE (F 2002)
Freitag, 17. Mai 2013 um 10:02 Uhr
DO, 30. Mai 2013 – 19:00
REGIE, BUCH: Michel Deville
KAMERA: André Diot
SCHNITT: Judith Riviére Kawa, Andrea Sedlácková
MUSIK: Giovanni Bottesini
MIT: Simon Abkarian, Lubna Azabal, Zabou Breitman, Clotilde Courau,Vincent Elbaz
LÄNGE: 93 Min
Französische Originalfassung, Englische Untertitel ÖSTERREICH PREMIERE Paris 1946: Die fast friedliche Welt einer jüdischen Schneiderei in Paris. Der Krieg ist vorbei, die deutschen Besatzer vertrieben, und die Noch-Lebenden können wieder atmen. Der Alltag wird wieder erobert, die Shoah mit schwarzem Humor bewältigt. Die alten Kleider werden abgelegt, die fünf Schneider, Frauen und Männer, versuchen einen arbeitsreichen und emotionalen Neuanfang. Ein wunderbarer Film, der von dem hervorragenden Schauspieler-Ensemble, darunter Simon Abkarian, der in ARMEE DES VERBRECHENS die Hauptrolle spielte, getragen wird. Suggestive Kameraarbeit und ein Gefühl für behutsamen Musikeinsatz ziehen die ZuschauerInnen in diese fast friedliche Welt. Michel Deville (Das wilde Schaf; Die Vorleserin) lieferte mit diesem Film eines der bedeutendsten Beispiele für die französische Filmkunst, die das Leben und vor allem die Liebe „danach“ beleuchtet.
Die Retrospektive 2013 des Jüdischen Filmclubs Wien widmet sich einer ›filmischen Bewegung‹: dem Film Noir. Einige äußerst sehenswerte, spannende Filme werden gezeigt – cineastische Entdeckungen und visuelle Anregungen, die Überraschendes zutage fördern; Die Retro gibt eine Antwort auf Fragen in den aktuellen Debatten über Film Noir: denn es gibt ihn, den JEWISH FILM NOIR.
Und sofort kommt dir Frage: Gibt es denn überhaupt jüdischen Film Noir? Schaut man in die vorhandene und ständig wachsende Literatur zum Film Noir – gibt es ihn nicht. Schaut man sich Spielfilme an, die in der Tradition des Film Noir der 1940er- und 1950er-Jahre stehen, so sieht es anders aus.
Es gibt eine Reihe von Filmen, die in unterschiedlicher Herangehensweise jüdische Themen aufnehmen, gestalten, in die Spielfilmhandlung integrieren oder sogar ins Zentrum des Films stellen. Einige dieser Filme sind nie oder nur gekürzt im deutschsprachigen Raum gezeigt worden. Wahrscheinlich waren sie den Verleihern gesellschaftspolitisch zu heiß, entsprachen nicht dem, was als Publikumsgeschmack in den 1940er- und 1950er-Jahren vermutet wurde. Die Filmschau »Jewish Film Noir« entzieht fünf Werke einem solchen Zusammenhang und damit dem Vergessen. Die Filme sollen neu und in einem komplexeren Zusammenhang gesehen werden, was dem Filmvergnügen keinen Abbruch tut – eher im Gegenteil. Der Film Noir ist eine filmische Bewegung und gleichermaßen ein visueller Stil, der vor dem Hintergrund des europäischen Films der Zwischenkriegszeit und des in der amerikanischen Literatur verwurzelten Thrillers bis in das aktuelle Filmschaffen hineinwirkt. In diesem Zusammenhang ist der Jewish Film Noir eine cineastische Entdeckung.
Mit Einführung & Diskussion von Bella Makagon, Klaus Davidowicz und Frank Stern.